Junger Anleger Grundlagen

Die negativen Seiten des Aktienmarkts: Volatilität und Börsencrash

Viele neue Anleger haben Angst vor den Gefahren am Aktienmarkt. Gerade die möglichen starken Schwankungen von Aktien sind dabei häufig ein Grund, dem Aktienmarkt fernzubleiben. In der Fachsprache werden diese Schwankungen als Volatilität bezeichnet. Doch was ist Volatilität eigentlich genau? Und ist sie wirklich so schlimm? Zudem erklären wir dir in diesem Beitrag, was ein Börsencrash ist, warum er entsteht und was man dagegen tun kann. Denn Angst vor der Börse brauchst du keine zu haben – solange du dich gut vorbereitest!

Was ist Volatilität?

Die Volatilität, abgeleitet vom lateinischen „volatilis“ (fliegend oder flüchtig), misst an der Börse, wie stark der Preis eines Finanzinstruments innerhalb eines bestimmten Zeitraums schwankt. Mit der Volatilität lässt sich also feststellen, wie stark die Preise von Aktien, Währungen, Rohstoffen usw. schwanken. Allgemein ausgedrückt: je mehr Schwankungen, desto höher die Volatilität.

Wenn sich fundamentale Veränderungen einstellen, schnellt die Volatilität in der Regel in die Höhe. Faktoren, welche fundamentale Veränderungen hervorrufen können, sind zum Beispiel: Quartals- oder Jahreszahlen, Konjunkturdaten, Zinsentscheidungen, politische Entscheidungen oder auch die allgemeine Marktstimmung (Anlegerpsychologie).

Welche Arten von Volatilität gibt es?

Im Allgemeinen unterscheiden Börsenexperten zwischen historischer und impliziter Volatilität. Wie der Name schon sagt, wird bei der historischen Volatilität die vergangene Kursentwicklung betrachtet, um das zukünftige Verhalten vorherzusagen. Somit ist die historische Volatilität ein nachlaufender Indikator.

Die implizite Volatilität basiert nicht nur auf Vergangenheitsdaten wie die historische Volatilität, sondern gibt eine Prognose für die in Zukunft erwarteten Kursschwankungen eines Basiswerts. Sie wird anhand der Echtzeit-Marktpreise von Put- und Call-Optionen berechnet, die an Terminbörsen wie der EUREX, CBOE und ICE gehandelt werden. Die implizite Volatilität wird vor allem für erfahrene Anleger, welche in Optionsscheine investieren möchten, wichtig.

Ist Volatilität am Aktienmarkt gefährlich?

Die Volatilität ist erst einmal nicht grundsätzlich gefährlich, denn der Kauf einer Aktie mit hoher Volatilität – oder starken Kursschwankungen nach oben und unten – bedeutet, dass das Risiko besteht, dass die Kurse nach dem Kauf stark fallen. Allerdings erhöht die Volatilität der Anlage auch die Chance auf einen größeren Gewinn. Somit wirkt die Volatilität immer in beide Richtungen als Risiko und Chance zugleich.

Mit der Hilfe der historischen Volatilität kann man recht gut Aktien finden, welche der eigenen Risikoneigung entsprechen. Beispielsweise sind kleinere und stark wachsende Unternehmen in der Regel deutlich volatiler, als große, lang etablierte Weltmarktführer.

Wenn man diese Erkenntnisse bei der Zusammenstellung des eigenen Depots im Hinterkopf behält, kann man ein Depot aufbauen, welches der eigenen Risikoneigung entspricht. Wie genau du dein Depot dann zwischen wachstumsstarken (volatilen) Aktien und soliden Ankeraktien aufteilst, musst du immer selber entscheiden. Denn jeder Anleger ist anders und nur du kannst für dich entscheiden, mit welchem Verhältnis DU dich wohlfühlst.

Die ultimative Volatilität: Der Börsencrash

Wir haben nun gelernt, dass Schwankungen an der Börse vollkommen normal sind und die Volatilität die Intensität dieser Schwankungen aufzeigt. Manchmal ist ein Absturz aber so extrem, dass man von einem Börsencrash spricht. Aber warum passiert so etwas und wie kannst du dich schützen?

Ein Börsencrash ist ein abrupter und starker Kursrückgang an der Börse, der mehrere Tage oder Wochen andauern kann. Da die Menschen in dieser Zeit in der Regel ihre Aktien in Panik verkaufen, verschlimmert sich die Situation, da die Kurse noch weiter fallen. Dies unterscheidet einen Börsencrash von einer Baisse, bei der die Kurse ebenfalls fallen, aber nicht so plötzlich und schnell.

Ein Börsencrash ist am wahrscheinlichsten nach einem unvorhergesehenen Ereignis (häufig auch Black Swan genannt). Gute Beispiele hierfür sind der Konkurs von Lehman Brothers im Jahr 2008 oder der Ausbruch von COVID-19 im Jahr 2020. Börsencrashs können jedoch auch durch das Platzen einer Spekulationsblase verursacht werden. Von einer Spekulationsblase spricht man, wenn die Aktienkurse über einen längeren Zeitraum über ihren fundamentalen Wert hinaus steigen. Beim Platzen der Blase brechen die Aktienkurse dann innerhalb von kürzester Zeit ein. Die bekannteste Spekulationsblase unserer Zeit ist wohl die Dotcom-Blase, welche im März 2000 platzte. Ein weiteres sehr prominentes Beispiel für eine solche Blase ist die Tulpenmanie Anfang des 17. Jahrhunderts. Sie gilt als erste Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte.

Welche Folgen hat ein Börsencrash?

Bei einem Börsencrash geraten in einem kurzen Zeitraum viele Anleger in Panik und verkaufen ihre Aktien. Dadurch verlieren auch die Aktienbestände der Banken und Kreditinstitute an Wert. Um zu vermeiden, dass ihnen das Geld ausgeht, beginnen die Banken, es zu horten, anstatt es zu verleihen. Die Folge: Kredite werden nicht mehr so großzügig vergeben und die Zinsen für Kredite steigen. Das führt wiederum dazu, dass Unternehmen weniger investieren können, Mitarbeiter entlassen oder gar Insolvenz anmelden müssen. Auch Privatleute halten nun lieber ihr Geld beisammen und der Konsum geht zurück.

Nach einem Börsencrash stürzt daher oft auch die Realwirtschaft (die Wirtschaftsleistung eines Landes gemessen am Bruttoinlandsprodukt) ab. Darauf folgt in der Regel eine Rezession, welche als ein allgemeiner Rückgang der Wirtschaft in zwei aufeinander folgenden Quartalen definiert wird. Schließlich bildet sich eine wirtschaftliche Talsohle – der Tiefpunkt des Abschwungs – heraus, und wenn diese über einen längeren Zeitraum anhält, spricht man von einer Depression. Rezession und Depression sind beide Teil des „natürlichen“ Konjunkturzyklus der Realwirtschaft.

Konjunkturzyklus Grafik Rezession + Depression Junger Anleger
Konjunkturzyklus Grafik Rezession + Depression

Kann man einen Crash zuverlässig vorhersagen?

Jeder, der behauptet, er wisse, wann der nächste Börsencrash kommt, lügt. Niemand kann die Zukunft mit 100-prozentiger Genauigkeit vorhersagen, schon gar nicht, wenn es um etwas so Volatiles wie den Aktienmarkt geht. Diese sogenannten „Crash-Propheten“ sind nur daran interessiert, dir Finanzprodukte oder Bücher zu verkaufen, die dich angeblich vor einem Crash schützen sollen.

Wenn man wüsste, wann der nächste Kurseinbruch kommt, wäre eine Investition in Aktien risikofrei. Da das aber nicht der Fall ist, musst du Maßnahmen ergreifen, um dein eigenes Risiko zu verringern. Mehr dazu erfährst du im nächsten Abschnitt.

Wie schütze ich mich vor einem Börsencrash?

Grundsätzlich gilt: Es gibt kein Depot, welches von einem Börsencrash nicht getroffen wird. Jedoch gibt es natürlich immer Unternehmen, welche besser durch die Krise kommen als andere und somit auch der Aktienkurs nicht so stark einbricht. Ein gutes Beispiel ist in diesem Fall Amazon im Jahr 2020. Trotz des starken Einbruchs des Aktienmarktes in Folge der Coronapandemie konnte die Amazon Aktie sogar zulegen. Der Grund: Durch die verhängten Lockdowns gewann der Onlinehandel an Popularität und trotz des wirtschaftlichen Abschwungs konnte Amazon weiter wachsen.

In einer solch schwierigen realwirtschaftlichen Phase werden jedoch nicht alle Unternehmen überleben. Daher ist es wichtig, im Vorfeld zu analysieren, wie krisensicher ein Unternehmen ist. Wenn das Geschäftsmodell eines Unternehmens nachhaltig zuverlässig Gewinn abwirft, wird es die Krise in der Regel gut überstehen können. Ein guter Indikator ist in der Regel auch ein Blick in die Vergangenheit und die damit verbundene Frage: Wie gut hat das Unternehmen die vergangenen wirtschaftlichen Krisen überstanden und warum hat es sie überstanden?

Die beste Möglichkeit, sich vor Börsencrashs zu schützen, besteht in der Diversifizierung des Portfolios. Diversifizierung bedeutet, dass du deine Anlagen auf verschiedene Anlageklassen und Branchen verteilst, sodass du im Falle einer Krise in einem Anlagesektor, immer noch auf Anlagen in anderen Sektoren zurückgreifen kannst. Wenn du spezifisch mehr zum Thema der Diversifikation erfahren möchtest, gibt es von uns einen eigenen ausführlichen Beitrag dazu.

Was sollten Anleger in der Krise tun?

Zunächst einmal: Ruhe bewahren. Wenn du eine langfristige Strategie verfolgst (alles andere ist aus unserer Sicht für Privatanleger sowieso nicht sinnvoll) und dein Risiko breit gestreut hast, kannst du dich entspannt zurücklehnen. Dir war schließlich bewusst, dass Krisen kommen würden. Nun musst du sie nur noch aussitzen. Ein Blick auf den Konjunkturzyklus untermauert diese Einstellung. Nach der Depressionsphase kommt wieder die Phase der Expansion. Die Wirtschaft nimmt wieder an Schwung auf, die Unternehmen steigern ihre Gewinne und die Aktienkurse steigen.

Legst du dein Geld zum Beispiel mit einem ETF-Sparplan an, kannst du sich sogar freuen: Denn du erhältst für deinen monatlichen Sparbetrag ganz automatisch mehr Anteile, weil die Kurse gefallen sind. Sobald sich die Lage wieder erholt, helfen dir diese zusätzlichen Anteile, dein Vermögen noch stärker zu vermehren. Gleiches gilt natürlich auch für Investments in Einzelaktien. Gerade in Krisenzeiten sind diese besonders günstig und langfristig kann es sich oft lohnen gerade dann nachzukaufen, wenn der Gesamtmarkt crasht. Dazu ist jedoch eine genaue Analyse des jeweiligen Unternehmens und ein gutes Nervenkostüm notwendig.

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